Der Beginn einer Tradition

Ehemalige protestantische Jugendgruppe wiederholte Begegnungstreffen

 

Im April 2008 konnte die Rheinpfalz berichten, dass sich Mitglieder der ehemaligen protestantischen Jugendgruppe Rammelsbach nach über 40 Jahren erstmals wieder getroffen haben.
Der Bericht stand damals unter dem Titel Erinnerungen an eine irrsinnig tolle Zeit. Den ehemaligen Jugendlichen waren die Begegnungen im letzten Jahr in Thallichtenberg zu intensiv als dass sie sich wieder aus den Augen verlieren wollten.



    
So hatte es der letztjährige, heute in Hamburg lebende Initiator, Harald Reinhard, wieder gerne übernommen, das Folgetreffen zu organisieren.


Am Samstag, dem 25. April, war es soweit.
Morgens um ½ 11 trafen über 20 Teilnehmer am Wilhelm-Panetzky-Museum in Rammelsbach ein.





Dort wurde die Gruppe von Ortsbürgermeister Xaver Jung begrüßt und im Namen der Gemeinde empfangen.
Xaver Jung informierte die Noch- und Ehemals-Rammelsbacher über die Entwicklung ihres Heimatortes in den letzten Jahren. Dass sich die Einwohnerzahl seit Anfang der 60er Jahre, der aktiven Zeit der Jugendgruppe, bis heute um fast 500 vermindert hat, wurde mit Staunen und Bedauern zur Kenntnis genommen. Der scherzhaften Aussage des Bürgermeisters, „Sie haben durch Ihren Wegzug dazu beigetragen“, konnte die Mehrzahl der Anwesenden nicht widersprechen.


Christel Schwan, ehemals Porr, überreichte bei dieser Gelegenheit dem Ortsbürgermeister als Gabe für das Museum eine Urkunde, welche ihre Urgroßmutter 1927 für 40 Jahre Arbeit im Steinbruchbetrieb Rammelsbach erhalten hatte. Den weiteren Bildern und Zeitungsausschnitten aus dieser Zeit, die sie gleichfalls für das Museum überreichte, konnte entnommen werden, dass es sich dabei um 40 Jahre Steine-klopfen handelte, eine schwere körperliche Arbeit, die damals von vielen Frauen übernommen werden musste.
 



Harald Reinhard dankte dem Bürgermeister für den Empfang und stellte u. a. fest, dass sich das Gesicht des Dorfes seit seiner Jugend erheblich verändert habe. Die Ortsmitte, die jetzt durch einen Brunnen gestaltet ist, war einst seine Heimat. Das Gebäude der Metzgerei Hauch steht nicht mehr. Genauso wie das große, langgestreckte Gebäude der Geschwister Berndt, welches den Blick auf die Wohnhäuser am Berg verdeckte. Durch dessen Abriss hat der Ortskern ein völlig neues Gesicht bekommen. Xaver Jung brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, dass im Rahmen des Landesförderprogrammes, in welche die Gemeinde jetzt aufgenommen ist, die Fassaden dieser nun das Ortsbild prägenden Gebäude in absehbarer Zeit ein Facelifting erfahren können.


 

Im Anschluss an den Museumsbesuch begab sich die Gruppe in die protestantische Kirche. Dort brachte der Initiator und Organisator seine Freude zum Ausdruck, dass der Besuch der Kirche und die anschließende Andacht zu einem festen Bestandteil der Treffen gehören.



Die Andacht wurde von Bertold Dönges, dem damaligen protestantischen Vikar und umtriebigen Jugendarbeiter gestaltet.
 





Die inzwischen zahlenmäßig gewachsene Schar brach anschließend auf, um sich im Ulmeter „Hotel Felschbachhof“ zum gemütlichen Zusammensein zu treffen. Zur Kaffeezeit war die Gruppe auf über 30 TeilnehmerInnen angewachsen. Im Gegensatz zum letzten Jahr, standen heuer weniger die emotionalen Tiefgänge als vielmehr die Fragen nach dem Werdegang der Einzelnen im Vordergrund. So war am Samstag weniger das „weißt du noch“ als vielmehr das „na, was hast du die Jahre getrieben“ oder „sag nur, wie hat es dich nach xy verschlagen“, zu hören. Man nahm Anteil am Lebensweg des Anderen und freute sich über die vielen positiven Entwicklungen.
 

Die Erinnerungen an die „irrsinnig tolle Zeit“ kamen dennoch nicht zu kurz. Immer wieder war zu hören, dass man doch eine sehr schöne Kinder- und Jugendzeit hatte. „Der Kohle-Emil hat uns doch mit seinem Kohle- und Holzlager einen kostenlosen Abenteuer-Spielplatz zur Verfügung gestellt“, solche oder ähnliche Aussagen belegten die Erinnerung, die sicher nicht durch die verstrichene Zeit „vergoldet“ wird.
 

Einig waren sich alle TeilnehmerInnen, dass diese Begegnungen zur Tradition werden sollen. Der Initiator stellte in seiner Kurzansprache in der Kirche fest, dass das Zustandekommen dieser Treffen für ihn ein erlebtes Wunder ist, wofür man Gott nicht genug Dank sagen kann. In der Zeit, in welcher wir nun der Generation angehören, die aus dem aktiven Berufsleben ausscheidet, wird uns durch die neuen Begegnungen ein Zugewinn an Lebensqualität geschenkt.


Am Ende des Tages verabschiedete man sich mit der Gewissheit, dass das nächste Treffen kommen wird und machte sich auf den Weg nach Hause. Für manche begann dieser Teil erst am Sonntag, denn schließlich musste man zum Beispiel zurück nach Marburg, Hamburg, Berlin, München und in die Schweiz. Kein Weg war zu weit – es hat sich gelohnt.


 

Harald Reinhard
Hamburg

 

h-reinhard@arcor.de